Beim Segeln im Winter denkt man eher an ein eisiges und schwieriges Wagnis. Wenn du aber ein paar Vorsichtsmaßnahmen triffst, ist es jedoch ein unglaubliches Erlebnis! Wer hätte nicht Lust an einem kalten, aber sonnigen Wintertag mit einer heißen Tasse Tee in der Hand über das Wasser zu schippern und die Landschaft zu genießen? Gerade im Winter wird der Trubel durch Ruhe, Entspannung und den Geschmack von Abenteuer abgelöst. Wer bekommt da nicht das Gefühl ein Entdecker zu sein? Viele Segler beginnen ihre Ausbildung übrigens auch im Winter und profitieren von ermäßigten Preisen. Außerdem sind die Gewässer nur wenig befahren und auch die frühe Dunkelheit kann perfekt genutzt werden, um das Segeln bei Nacht zu erlernen. Solltest du dein Boot über den Winter ohnehin im Wasser lassen, wieso dann nicht die Segelsaison verlängern?

Wir haben für dich einige Tipps für ein unvergessliches Segeln im Winter zusammengestellt.

1. Wie möchtest du im Winter segeln?

Überlege dir genau, wie viel du im Winter Segeln will. Denn Niemand mag des stundenlang auf einem kalten Deck zu sitzen. Deshalb plane lieber kleine belebende Ausflüge, bei der man auf der Durchfahrt auch mal einen kleinen Boxenstopp für ein warmes Süppchen einlegen kann. Denke auch daran, dass die Tage im Winter kürzer sind und die Sonne früher untergeht, wodurch die Temperaturen noch weiter sinken. Sei deshalb bestmöglich auf Dunst und Nebel eingestellt, das sich auf dem Wasser verbreitet. Hier sind Radar oder AIS (Automatic Identification System; zu Deutsch: Automatisches Identifikationssystem) von entscheidender Bedeutung, bei der Bedienung solltest du ohnehin stets auf dem Laufenden sein. Wenns einem dann doch mal zu kalt wird dann ab unters Deck und erstmal aufwärmen! Es kann auch nicht schaden feste Zeiten zum aufwärmen einzuplanen.

Wer gerne auf Entdeckungstour geht und das Abenteuer liebt, kann natürlich auch einen Trip raus aus den fröstelnden Temperaturen der Wintermonate planen und mit dem Boot ins warme Segeln. Oder auch entlang des Flusses hübsche Orte erkunden und die traumhafte Landschaft in sich aufsaugen. Die Winterlandschaft hat etwas wildes, unzähmbares und doch etwas wunderschönes, dass während der anderen Jahreszeiten nicht gefunden werden kann. Es ist ruhig und die Natur schläft. Da erscheint es noch außergewöhnlicher, wenn einem doch eine Pflanze oder ein Tier erscheint.

2. Habe den Zustand deines Bootes im Auge

Achte darauf, ob du dein Boot am Liegeplatz genügend sichern kannst und alle Vorrichtungen auch starken Winden standhalten können. Im Zweifel lieber den Liegeplatz oder Yachthafen wechseln. Sollte dein Boot an einem geschützten Liegeplatz an der Spitze einer Flussmündung liegen, solltest du regelmäßig deinen Motor laufen lassen, um zu verhindern, dass das rohe Kühlwasser des Motors gefriert. Bei Liegeplätzen im Meer gibt es meist keine Probleme, da der erhöhte Salzgehalt im Wasser den Gefrierpunkt sinken lässt. Steht dein Boot in einem Hafen an Land kann mithilfe einer elektrischen Heizung mit Thermostateinstellung die Temperatur über dem Gefrierpunkt gehalten werden. Ein weiterer nützlicher Tipp ist auch etwas Frostschutzmittel dem Kühlwasser hinzuzufügen.

3. Wind im Winter

Sei dir bewusst, dass die Winterluft dichter und die Windstärke höher ist. Sobald die Sturmhäufigkeit zunimmt und vermehrt mit kleineren, aber überraschend auftretenden Starkwindfronten zu rechnen ist, sollten zuverlässige Segeltücher wie Sturmfock und das Trysegel an Bord sein. Der Sturmfock ist ein kleinerer Fock mit einem höheren Schothorn aus besonders widerstandsfähigem Tuch. Das Trysegel ist ein kleines dreieckiges Sturmsegel aus besonders widerstandsfähigem und schwerem Segeltuch. Es wird anstelle des Großsegels gesetzt.

Segeln im Winter_verschneiter leerstehender Hafen4. Den Körper warm halten

Um nicht zu unterkühlen trage beim Segeln im Winter am besten spezielle Kleidung, es empfiehlt sich das sogenannt Drei-Schichten-System oder das Zwiebelprinzip. Für die unterste Schicht eignet sich lange Thermounterwäsche am besten. Sie soll die Feuchtigkeit von deinem Körper wegtransportieren und verhindern, dass er auskühlt. Die Mittelschicht sollte aus atmungsaktiver Kleidung bestehen und schön wärmen. Zum Schluss noch die äußerste Schicht, die sollte wasserabweisend sein und vor Wind schützen. Es muss dabei nicht immer spezielle Schifffahrtsbekleidung sein. Auch Kleidung aus Ski- oder Sportgeschäften ist eine wunderbare Alternative. Einige Segler schwören auch auf Motorrad, Fahrrad oder Gartenhandschuhe. Da kannst du deiner Fantasie freien Lauf lassen. Da ein großer Teil der Körperwärme über den Kopf verloren geht, sollte auf eine flauschige Mütze oder Sturmhaube nicht verzichtet werden.

5. Das Boot trocken halten

Das größte Problem im Winter wird es wohl sein, Feuchte und Kondenswasser zu bekämpfen. Ein Luftentfeuchter kann dabei Abhilfe schaffen. Es gibt kleine Luftentfeuchter, die Wasserdampf passiv absorbieren. Jedoch absorbieren sie oft nur Feuchtigkeit aus einem kleinen Bereich. Außerdem muss diese regelmäßig abgelassen werden. Vor allem bevor du Segel setzt! Wenn du an Bord eine Netzspannung von 240 V hast, solltest du eher zu einem Kompressor oder Trockenmittelentfreuchter greifen, die die Feuchtigkeit großflächiger aus der Luft nehmen.

6. Nahrung zum Wärmen

Natürlich ist beim Segeln im Winter auch eine gute Nahrungsversorgung wichtig. Stell sicher, dass alle Crewmitglieder fortlaufend mit heißen Getränken versorgt werden. Am besten eignet sich natürlich auch eine wärmende Suppe. Die kannst du vor der Fahrt schon vorbereiten und in einer Thermoskanne warmhalten oder direkt in der Bordküche zaubern. Für mehr Energie kannst du sie auch gerne mit Nudeln oder Reis zubereiten.

An der Stelle noch ein kleiner Tipp: Sei vorsichtig, wenn du Gläser oder Flaschen mit Flüssigkeiten verstaust. Wenn die Flüssigkeit gefriert kann das Glas zersplittern. Ein Vorteil der Kälte ist natürlich, dass du den Kühlschrank (insofern du einen hast) abschalten kannst, um Strom zu sparen. Stattdessen kannst du das Cockpit-Schließfach als “Kühlschrank” benutzen.

7. Das Boot im Winter Heizen

Für den unteren Bootsteil solltest du dir in jedem Fall eine Heizung zulegen. Wenn du eine 240-V Netzspannung hast, kannst du mit einem Heizlüfter die Kabine schnell aufheizen. Jedoch wird es wenige Minuten nach dem Ausschalten wieder kalt. Eine andere Möglichkeit sind Diesel- oder Gasheizungen. Beide benötigen jedoch Lüfter, um die erwärmte Luft umzuwälzen, verbrauchen also ziemlich viel Energie. Eine weitere Option sind Ofenheizungen. Diese sind sehr effektiv, verbrauchen wenig bis gar keinen Strom und können mit der richtigen Installation auch einen Wassertank erwärmen. Sie werden mit Gas, Diesel, Paraffin oder mit Festbrennstoffen betrieben. Diese Variante erfordert jedoch den Einbau eines Rauchkanals. Du könntest auch während des Kochens die Kabine heizen, davon raten wir jedoch eher ab, da beim Verbrennen viel CO2 freigesetzt wird, weswegen die Bordküche häufiger gelüftet werden muss, um den Sauerstoffgehalt nicht zu erschöpfen.

8. Den Wohnraum erweitern

Ein Cockpitzelt ist eine tolle Möglichkeit, um den nutzbaren Raum zu verdoppeln und einen atemberaubenden Blick über verlassene Ankerplätze bietet. Das Cockpitzelt muss leicht zusammengebaut und so konstruiert sein, dass Züge vom kalten Winterwind ausgeschlossen werden. Außerdem schützt es auch vor plötzlichem Regen oder Schneefall.

 

Nun sollte dem Segeln im Winter durch bezaubernde Landschaften und leerstehenden Häfen nichts mehr im Wege stehen. Wir hoffen unsere kleine Zusammenfassung ist dir bei deinem nächsten Bootsabendteuer durch den Schnee eine kleine Stütze und dass du eine unvergessliche Zeit erlebst.

Bist du schon ein passionierter Segler im Winter? Dann hinterlasse uns gerne einen Kommentar und berichte uns von deinen Erlebnissen!